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Neophyten, Neubürger mit Nachteilen

Die Welt steht im Zeichen der Globalisierung. Diese bringt für uns Menschen viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Einer dieser Nachteile können sogenannte invasive Pflanzen- und Tierarten sein. Tiere und Pflanzen werden in andere Teile der Erde gebracht und können vielerorts massive Schäden anrichten. Teilweise sind sie für den Menschen gefährlich, wenn sie zum Beispiel Allergien auslösen oder die Ernte verringern. Auch in unserem Ökosystem können sie Schäden anrichten.

Oft können bei uns heimische Tiere mit den zugezogenen Neulingen nichts anfangen, sie nicht verzehren oder zur Eiablage nutzen. Diese sogenannten invasiven Neophyten und Neozoen möchte ich heute etwas näher betrachten. Falls du etwas mehr über den Naturgarten lesen willst, kannst du das gerne in meinem Artikel: Naturgarten, was ist das eigentlich? machen.

Sommerflieder, ein investiver Neophyt
Tagpfauenauge auf Sommerflieder

Was sind Neophyten, Neozoen und Neomyceten?

In allen Teilen der Erde gibt es unterschiedliche Arten von Flora und Fauna. Sie haben sich manchmal aus der gleichen Art in verschiedenen Richtungen entwickelt. Manchmal sind sie auch nur an diesem einen Ort zu finden und haben sich extrem spezialisiert. Dies sind sogenannte endemisch vorkommende Arten, zum Beispiel die nur auf Kreta und ein paar anderen griechischen Inseln beheimatete Kretische Dattelpalme.

Neophyt bedeutet übersetzt schlicht „Neubürger“ und diese sind in anderen Teilen der Erde heimisch. Bei uns in Deutschland beispielsweise kommen sie nicht natürlich vor. Sie haben sich in ihrem Ursprungsgebiet an ihren jeweiligen Standort angepasst und können hervorragend mit den vorhandenen Widrigkeiten umgehen. Um zu Überleben haben sie verschiedene Überlebensstrategien entwickelt, beispielsweise haben manche Stacheln ausgebildet, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Manche produzieren einen übelschmeckenden Pflanzensaft und wiederum andere entwickeln sehr viele Samen und verbreiten sich so effizient, dass ihre Art große Chancen hat zu überleben.

Wenn wir diese auf spezielle Standorte angepassten Pflanzen in andere Teile der Welt bringen, können wir damit das Gleichgewicht des jeweiligen neuen Standortes durcheinander bringen. Die meisten dieser eingeschleppten Arten können ohne Menschen nicht lange in einem anderen Gebiet der Erde überleben. Aber ca. zehn Prozent hiervon können auch ohne menschliches Zutun weiter existieren, integrieren sich in das vorhandene Ökosystem und besetzen beispielsweise nur eine Nische. Von den hier überlebenden Arten fühlen sich wieder ca. 10% an ihrem neuen Standort so wohl, dass sie zum Problem werden können.

Diese Pflanzen und Tiere kommen mit den vorhandenen Standortbedingungen so gut zurecht, dass sie andere Pflanzen verdrängen. Sie sind äußerst effektiv oder haben keine Fressfeinde und können so einheimische Arten verdrängen. Gerade endemische Arten sind hierdurch stark gefährdet. Zu den invasiven Neophyten etwa zählt das indische Springkraut oder der Götterbaum.

Diese zehn Prozent, die sogenannten invasiven Neophyten können zum einen wirtschaftliche oder gesundheitsschädliche Folgen für den Menschen haben in dem sie beispielsweise den Ertrag in der Landwirtschaft verschlechtern oder Allergien auslösen können. Zum anderen können sie das Ökosystem verändern und beispielsweise gefährdete, seltene Arten vollständig ausrotten oder deren Lebensraum besetzen.

Aber auch Tiere werden in unser Ökosystem eingeschleppt oder gezielt von uns Menschen eingebracht. Diese werden Neozoen genannt. Sie werden zum Teil beabsichtigt eingeführt, weil sie besonders gut gegen einen bestimmten Schädling funktionieren (zum Beispiel der asiatische Marienkäfer). Aber auch hier können sie unseren einheimischen Tieren die Lebensgrundlage nehmen oder durch fehlende Fressfeinde überhand nehmen. So können sie sich massenhaft vermehren und große Bestände bilden.

Neophyten sind aber nicht immer schlecht. Beispielsweise die Kartoffel oder die Tomate sind auch „Zugezogene“, sie zählen allerdings nicht zu den invasiven Arten, da sie kaum natürlich vorkommen und meist nur mit menschlicher Hilfe überleben. Zudem zählen sie für den Menschen zu den Grundnahrungsmitteln.

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Was ist das Problem mit Neophyten?

Gebietsfremde Pflanzen werden entweder unabsichtlich eingeschleppt, zum Beispiel durch Waren oder auch absichtlich, weil sie einen vermeintlichen Nutzen haben. Das große Problem hierbei ist, dass sich manche Pflanzen in anderen Teilen der Erde etablieren, und einheimische Arten verdrängen können. Das passiert zwar nur bei einem Bruchteil der eingeschleppten Arten, egal ob Tiere oder Pflanzen, aber diese Arten können dem Ökosystem vor Ort gefährlich werden.

Um einen Überblick über die jeweiligen eingeschleppten invasiven Neophyten zu haben hat die Europäische Union eine sogenannte „schwarze Liste“ erstellt. Hier sind viele der invasiven Arten zu finden, sie scheint aber längst nicht alle Arten aufzulisten. Wenn du mehr darüber erfahren willst, kann ich dir auch die Seite des NABU dazu empfehlen.

Allerdings sollte man nicht nur die negativen Seiten der invasiven Neophyten betrachten, manchmal sind sie teilweise noch von Nutzen, bzw. besetzen eine Nische im Ökosystem. Wenn du noch weiteres dazu lesen möchtest, empfehle ich dir diesen Artikel.

Beispiele von Neophyten

Der japanische Staudenknöterich

Wie der Name schon vermuten lässt, ist der japanische Staudenknöterich ursprünglich in Asien beheimatet, wurde aber als Zierpflanze in Europa eingeführt. Der Staudenknöterich wächst sehr stark, durch die immer wärmer werdenden Sommer wird dies noch begünstigt. Durch das enorme Wachstum und den dichten Wuchs wird die heimische Fauna zusehends verdrängt. Der Staudenknöterich ist eine sehr robuste Pflanze mit starken Trieben. Diese brechen sogar Mauern und Asphalt auf. Dadurch wird der Neophyt mancherorts zum Problem, beispielsweise an historischen Gebäuden oder Stadtmauern, da diese hierdurch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Götterbaum

Auch der Götterbaum steht auf der schwarzen Liste für invasive Neophyten. Er kann mehrere Meter in einem Jahr wachsen und bis zu dreißig Meter hoch werden. Allerdings wird er auch nicht besonders alt. Durch sein ausdauerndes Wachstum kann er schnell Risse und Brüche in angrenzenden Mauerwerk erzielen. Auch Straßenfundamente sind vor ihm nicht sicher.

Ursprünglich wurde er in Europa zur lokalen Seidenproduktion eingeführt, da er als Futterpflanze für die Seidenspinner fungiert. Auch Honig kann man aus seinen Blüten gewinnen. Allerdings hat sich der Götterbaum hierzulande schnell etabliert und ist mittlerweile weltweit vertreten und sollte, wenn möglich auch bekämpft werden, da er riesige Monokulturen bildet.

Die Ambrosia

Ambrosia gehört ebenfalls zu den invasiven Neophyten, sie kann unter Umständen sogar Allergien auslösen. Häufig ist Ambrosia in Vogelfutter zu finden und wird so auch weltweit verbreitet. Deshalb sollte man auch immer darauf achten, Vogelfutter mit dem Zusatz „Ambrosiafrei“ zu kaufen.

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Ambrosia richtet in der Landwirtschaft viel Schaden an, da sich die Samen nahezu unaufhörlich verbreiten und so ganze Bestände an Ambrosia wachsen können. Hierdurch fällt dann ein Teil der Ernte aus. Die Samen des Neophyten besitzen Dornen und bleiben so an allerlei Getier, aber auch an Schuhen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen hängen und werden so ungewollt weitergetragen.

Ambrosia ist ein Neophyt, der starke allergische Reaktionen auslösen kann.
Ambrosia ist ein Neophyt, der starke allergische Reaktionen auslösen kann.

Die Ambrosiapflanze produziert an einer Pflanze bereits über 60.000 Samen, diese sind zudem noch enorm widerstandsfähig. Sie sind bis zu vierzig Jahre keimfähig und ertragen selbst strengste Fröste.

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Der Sommerflieder

Sommerflieder

Der Sommerflieder oder Buddleja davidii hat mit dem bei uns bekannten Duftflieder bis auf den deutschen Namen wenig gemein. Sie gehören zu ganz unterschiedlichen Familien. Der Sommerflieder ist bereits in der Schweiz verboten worden, da er sich sehr leicht versamt und große Bestände bildet. Allerdings gilt er auch als wahrer Insektenmagnet. So gehört der Sommerflieder noch zu den Neophyten, welche einen gewissen Nutzen für unser Ökosystem haben, andere Arten wie etwa die Forsythie sind in jeglicher Form nutzlos für unsere Insektenwelt.

Auch im Tierreich gibt es invasive Arten

Auch Tiere können in andere Ökosysteme einwandern und enorme Schäden verursachen. Wie bei den Pflanzen gibt es auch hier eine Liste mit invasiven Arten. Allen gemein, sowohl Tieren als auch Pflanzen, ist wohl die Tatsache, dass sie sich oft schnell ausbreiten, vor Ort keine natürlichen Feinde haben und die heimische Fauna oder Flora verdrängen. Ein paar wenige dieser Tierarten habe ich hier einmal aufgelistet.

Der Kartoffelkäfer

Vielerorts sieht man ihn und die meisten sind wohl der Meinung, dass dieser Käfer hier beheimatet ist. Allerdings ist auch dieser ein Neozoen und war ursprünglich in Zentralmexiko beheimatet. Aber mit der weltweiten Verbreitung der Kartoffel wurde auch der Käfer weltweit verbreitet.

Und damit nicht genug, es wurden beispielsweise im zweiten Weltkrieg Versuche durchgeführt, ob sich der Käfer als Kriegswerkzeug eignen würde. Hierzu wurde der Käfer in großen Mengen bei Speyer abgeworfen, um die Ernte zu verderben und die Menschen hungern zu lassen. Von meiner Oma habe ich diese Geschichte oft erzählt bekommen, denn sie gehörte zu den Schulkindern die extra dafür schulfrei bekamen, um in Heerscharen über die Felder zu ziehen und die Kartoffelkäfer abzusammeln.

Die Grundel

Die Grundel ist hier ebenfalls nicht heimisch, verbreitet sich aber immer weiter über die Flusssysteme. Sie hat eine Bauchflosse die sie als Saugnapf nutzen kann und hält sich so an Schiffen fest. So wird sie in immer mehr Flüsse weitergetragen. Der invasive Neozoen verdrängt, wie alle Pflanzen und Tiere dieser Kategorie, immer mehr die einheimische Faune, beispielsweise den Hecht und den Wels. Sie sind sehr vermehrungsfreudig und fressen auch fast alles. So ausgestattet, ist es nicht verwunderlich dass sich die Grundel gegenüber anderen Arten, die etwa nur zu bestimmten Zeiten laichen, besser durchsetzt.

Das Nutria

Nutria

Nutrias stammen ursprünglich aus Amerika und wurden zur Pelzgewinnung in den 1920er Jahren nach Deutschland gebracht. Seither sind sie hier stark an allen Flüssen, Seen und anderen Gewässern vertreten. Nutrias gehören zu den großen Biberratten und können bis zu 12 Kilogramm schwer werden. Sie tragen mancherorts zur Verringerung gefährdeter Pflanzenarten bei und dürfen daher auch bejagt werden.

Der Asiatischer Marienkäfer

asiatischer Marienkäfer

Der Harlekin- Marienkäfer kommt ursprünglich aus Asien, wurde dann aber über die USA weiter nach Europa gebracht. Mit diesem Marienkäfer wurde versucht, biologische Schädlingsbekämpfung zu betreiben, da dieser Marienkäfer mehr Blattläuse frisst als unsere einheimischen Exemplare. Allerdings ist der asiatische Marienkäfer mittlerweile auch in Deutschland stark vertreten und reduziert somit auch die Lebensgrundlage für unsere einheimischen Blattlausvertilger, wie Florfliege oder Marienkäfer.

Neomyceten

Auf invasiven Arten der Pilze gehe ich nicht näher ein, da ich mich damit bisher nicht auseinander gesetzt habe und das Gebiet der Pilze sehr groß ist. Aber selbstverständlich gibt es einige Arten im Pilzreich, welche auch als invasive Arten gelten.

Der echte Mehltau

Der echte Mehltau ist wohl der am besten bekannte Vertreter dieser Gruppierung, um nur ein Beispiel eines Neomyceten zu nennen.

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