Schön, dass Du hergefunden hast! Heute geht es um unsere schuppigen Zeitgenossen, die in unseren Wäldern, Mooren und Wiesen leben: unsere heimischen Schlangen. Vielleicht hast Du Dich auch schon einmal gefragt, ob es giftige Schlangen in Deutschland gibt, welche Arten bei uns vorkommen und wo sie leben.
Und wenn Du noch mehr über unsere heimische Natur erfahren möchtest, kann ich Dir auch den Artikel „Vogelarten in Deutschland“ empfehlen.
Nach aktuellem Stand leben in Deutschland sieben Schlangenarten, so führt es das Rote-Liste-Zentrum in seiner Übersicht der Reptilien. Fünf davon sind ungiftig. Giftig sind nur zwei: die Kreuzotter und die Aspisviper. Schlangenbisse sind bei uns aber selten und enden auch nur in sehr wenigen Fällen tödlich. Wirst Du gebissen, solltest Du trotzdem zum Arzt.
Die Kreuzotter erkennst Du an ihrem dunklen Zickzackband auf dem Rücken. Sie lebt vor allem in den Mooren und Heiden Norddeutschlands, außerdem in einigen Mittelgebirgen und in der Alpenregion. Die Aspisviper ist dagegen extrem selten. Ihr einziges Vorkommen in Deutschland liegt im Südschwarzwald.
Inhaltsverzeichnis
Welche Schlangen gibt es in Deutschland?
Hier findest Du alle sieben deutschen Schlangenarten auf einen Blick. Zu jeder Art steht dabei, ob sie giftig ist, wo sie bei uns lebt und wie sie auf der Roten Liste Deutschland eingestuft ist.
- Ringelnatter (Natrix natrix): ungiftig, lebt meist in Gewässernähe, Rote Liste: gefährdet
- Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica): ungiftig, seit 2017 eine eigene Art, in Baden-Württemberg im Westen des Landes
- Würfelnatter (Natrix tessellata): ungiftig, nur in Rheinland-Pfalz an Nahe, Lahn und Mosel, Rote Liste: vom Aussterben bedroht
- Schlingnatter (Coronella austriaca): ungiftig, mit etwa 70 cm die kleinste Art, Rote Liste: gefährdet
- Äskulapnatter (Zamenis longissimus): ungiftig, mit bis zu 180 cm die größte Art, in warmen Gebieten in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, Rote Liste: stark gefährdet
- Kreuzotter (Vipera berus): giftig, vor allem Norddeutsche Tiefebene und Niederrhein, dazu einige Mittelgebirge und die Alpenregion, Rote Liste: stark gefährdet
- Aspisviper (Vipera aspis): giftig, nur im Südschwarzwald, Rote Liste: vom Aussterben bedroht
Die Blindschleiche fehlt in dieser Liste mit Absicht. Sie sieht zwar aus wie eine Schlange, ist aber faktisch keine. Warum, erkläre ich Dir weiter unten.
Gibt es giftige Schlangen in Deutschland?
Ja, aber nur zwei. Von den heimischen Schlangen haben nur die Kreuzotter und die Aspisviper Giftzähne. Beide gehören zu den Vipern. Die fünf anderen Arten sind Nattern und für Uns ungiftig.
Beißt Dich eine der beiden Giftschlangen, solltest Du eine Klinik aufsuchen. Wie Du Dich nach einem Biss richtig verhältst, liest Du weiter unten.
Kreuzotter
Die Kreuzotter (Vipera berus) ist die Giftschlange, der Du in Deutschland am ehesten begegnen kannst. Sie gehört zur Familie der Vipern und lebt in Mittel-, Nord- und Osteuropa. Typisch ist das dunkle Zickzackband auf dem Rücken. Außerdem hat sie eine senkrechte, spaltförmige Pupille.
Die Kreuzotter wird selten länger als 60 bis 70 Zentimeter, der NABU Baden-Württemberg nennt bis zu 75 Zentimeter. Es gibt auch eine schwarze Farbvariante, die „Höllenotter“, und eine seltene kupferfarbene, die „Kupferotter“.

Meist ist die Kreuzotter tagsüber unterwegs. Bei großer Hitze verlegt sie ihre Aktivität eher in die Dämmerung oder in die Nacht. Sie lebt überwiegend am Boden, klettert aber auch, zum Beispiel in Heidelbeersträucher.
Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Mäuse, dazu Frösche und Waldeidechsen. Auf der Roten Liste Deutschland wird die Kreuzotter als stark gefährdet eingestuft. 2024 war sie Reptil des Jahres.
Aspisviper
Die Aspisviper (Vipera aspis) ist eine Viper und somit eine giftige Schlange. Sie ist, charakteristisch für Vipern, relativ gedrungen. Ihr Kopf ist kantig und deutlich vom Hals abgesetzt, die Pupille steht senkrecht. Die Färbung ist sehr unterschiedlich. Es gibt sogar komplett schwarze Exemplare.
Die Aspisviper braucht Wärme. Sie lebt in lichten Wäldern mit Felsen und Geröll an trockenwarmen Hängen und hält sich am liebsten an offenen, sonnigen Stellen auf. Aktiv ist sie von März bis Oktober, bei passendem Wetter auch bis in den November. Die Aspisviper ist lebendgebärend, ihr Nachwuchs kommt voll entwickelt zur Welt.
Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Nordost-Spanien über Frankreich, die Schweiz und Italien bis nach Nordwest-Slowenien. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht. Im Schwarzwald leben schätzungsweise nur etwa 240 erwachsene Tiere.
Wo leben giftige Schlangen in Deutschland?
Die Kreuzotter braucht kühle, feuchte Lebensräume wie Moore, Heide und lichte Wälder. In Deutschland kommt sie vor allem am Niederrhein und in der Norddeutschen Tiefebene vor. Dazu kommen der Taunus, der Spessart, der Hochschwarzwald und die Alpenregion.
In Niedersachsen findest Du sie an Hochmoorrändern, in Restmooren, auf Heiden und Sandmagerrasen im Tiefland. Sie ist dort die einzige Giftschlange. In Rheinland-Pfalz wurde die Kreuzotter dagegen trotz intensiver Suche nicht nachgewiesen. Bei Sichtungen handelt es sich meist um Schlingnatter. Keine der vier dortigen Schlangenarten ist giftig.
Die Aspisviper kommt in Deutschland nur in Baden-Württemberg vor. Ihr einziges Vorkommen liegt im Südschwarzwald, in zwei tief eingeschnittenen Tälern mit Felsen und Geröllhalden auf etwa 450 bis 800 Metern Höhe. Das ganze Gebiet ist nur rund 250 bis 270 Hektar groß.
Dieses Vorkommen ist ein Ausläufer der Population im Schweizer Jura. Mit der Kreuzotter teilt sich die Aspisviper ihren Lebensraum im Schwarzwald nicht.
Wie gefährlich ist der Biss einer Kreuzotter?
Ein Kreuzotterbiss ist sehr schmerzhaft. Er hinterlässt zwei Einstiche im Abstand von etwa 1 bis 1,5 Zentimetern. Die Stelle schwillt stark an und verfärbt sich blaurot. Möglich sind auch Übelkeit, Erbrechen und ein Blutdruckabfall bis zum Kollaps, in seltenen Fällen sogar eine Atemlähmung.
Die gute Nachricht: Nicht jeder Biss führt zu Symptomen. Meist gibt die Schlange so wenig Gift ab, dass kaum Vergiftungszeichen auftreten. Bei etwa der Hälfte der Bisse zeigen sich nur leichte Beschwerden.
Kann man an einem Schlangenbiss sterben?
Lebensgefährliche Verläufe oder Todesfälle sind äußerst selten, ausgeschlossen sind sie aber nicht. Am stärksten gefährdet sind kleine Kinder und ältere Menschen. Außerdem sind allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock möglich.
Nimm deshalb jeden Biss ernst, auch wenn er Dir zunächst harmlos vorkommt. Das gilt genauso für die Aspisviper: Auch nach ihrem Biss solltest Du in die Klinik gehen. Weil sie in Deutschland so selten ist, wirst Du ihr aber kaum begegnen.
Was tun nach einem Schlangenbiss?
Nach einem Biss helfen Dir ein paar klare Schritte. Ich halte mich hier an die Empfehlungen des Giftnotrufs Erfurt zur Kreuzotter:
- Kühle die Bissstelle und stelle sie ruhig.
- Nimm Ringe und Ketten ab, denn die Stelle kann stark anschwellen.
- Ruf den Giftnotruf an und fahre immer in die Notaufnahme.
- Wähle sofort die 112, wenn Kreislauf- oder Bewusstseinsstörungen auftreten.
Was solltest Du auf keinen Fall tun?
Manche Ratschläge aus Filmen und alten Erzählungen solltest Du nach einem Biss vergessen. Der Giftnotruf rät ausdrücklich davon ab:
- Die Wunde aussaugen.
- Die Bissstelle ausschneiden.
- Den Arm oder das Bein abbinden.
Wie kannst Du einem Biss vorbeugen?
In steinigem, unübersichtlichem Gelände achte darauf, wohin Du trittst und greifst. Festes Schuhwerk und lange Hosen schützen Dich in der Regel ausreichend. Das lohnt sich vor allem, wenn Du in Mooren, Heiden oder im Gebirge unterwegs bist.
Wie unterscheidest Du Kreuzotter und Schlingnatter?
Die ungiftige Schlingnatter wird leicht mit der Kreuzotter verwechselt, weil beide eine dunkle Zeichnung auf dem Rücken haben. Bei der Kreuzotter bildet diese Zeichnung das typische Zickzackband.
Ein weiteres Merkmal der Kreuzotter ist ihre senkrechte, spaltförmige Pupille. Geh für diesen Blick aber nicht nah an das Tier heran. Wenn Du unsicher bist, behandle jede Schlange wie eine Kreuzotter und halte Abstand.

Welche Schlangen in Deutschland sind ungiftig?
Fünf der sieben heimischen Arten sind ungiftig. Mit der Äskulapnatter gehört sogar die größte deutsche Schlange dazu.
Ringelnatter
Die Ringelnatter (Natrix natrix) ist eine ungiftige Schlange. Sie gehört zu den Nattern und hat gekielte Rückenschuppen und runde Pupillen. Meist lebt sie in Gewässernähe, gelegentlich kommt sie sogar an Gartenteiche.

Auf der Roten Liste Deutschland wird die Ringelnatter als gefährdet geführt. Im Winter braucht sie, wie alle heimischen Schlangen, ein frostsicheres Quartier.
Barren-Ringelnatter
Lange galt die Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica) nur als Unterart der Ringelnatter. Seit August 2017 ist sie eine eigene Art. Erkennen kannst Du sie an einer Reihe quergestellter Flecken an jeder Körperseite.
In Baden-Württemberg teilen sich die beiden Arten das Land: Die Östliche Ringelnatter lebt im Osten, die Barren-Ringelnatter im Westen. Welche Ringelnatter Du dort siehst, hängt also auch davon ab, wo Du gerade bist.
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Würfelnatter
Die Würfelnatter (Natrix tessellata) ist sehr selten. In Deutschland lebt sie nur in Rheinland-Pfalz an Nahe, Lahn und Mosel, laut NABU gibt es nur noch drei Vorkommen. Auf der Roten Liste gilt sie als vom Aussterben bedroht.
Äskulapnatter
Die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) gehört, wie alle heimischen Nattern, zu den ungiftigen Schlangen. Mit bis zu 180 Zentimetern ist sie die größte heimische Schlange. Trotz ihrer Größe ist sie für Menschen ungiftig, denn sie hat keine Giftzähne.
Die Äskulapnatter lebt nur in warmen Gebieten in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Der NABU Baden-Württemberg nennt außerdem ein eng begrenztes Vorkommen in Baden-Württemberg. Auf der Roten Liste Deutschland ist sie als stark gefährdet eingestuft.
Glatt- oder Schlingnatter
Die Glatt- oder Schlingnatter (Coronella austriaca) ist mit etwa 70 Zentimetern die kleinste heimische Schlangenart. Sie hat keine Giftzähne und ist für Dich ungiftig. Wegen ihrer dunklen Rückenzeichnung wird sie aber oft für eine Kreuzotter gehalten.
Leider steht die Glatt- oder Schlingnatter in Deutschland auf der Roten Liste, sie gilt als gefährdet.
Weitere Informationen findest Du zum Beispiel im Überblick über unsere heimischen Schlangen bei Planet Wissen.
Ist die Blindschleiche eine Schlange?
Nein. Die Blindschleiche (Anguis fragilis) wird oft als Schlange bezeichnet. Sie ist jedoch keine Schlange, sondern eine beinlose Echse. Gerade weil ihr die Beine fehlen, wird sie so leicht verwechselt.

Neben den sieben Schlangenarten leben in Deutschland sechs Echsenarten, und die Blindschleiche zählt zu ihnen. Sie steht unter Naturschutz. Wenn Du eine in Deinem Garten entdeckst, freu Dich über den Besuch und lass sie in Ruhe.
Was tun, wenn eine Schlange im Garten ist?
Strukturreiche Gärten sind ein Rückzugsort für unsere heimischen Schlangen. Die Ringelnatter zum Beispiel kommt gelegentlich an Gartenteiche. Falls Du noch keinen Teich hast, findest Du in meinem Beitrag 5 Tipps zum Miniteich anlegen einen einfachen Einstieg.
Wie verhältst Du Dich richtig?
- Bleib ruhig und halte Abstand.
- Fang die Schlange nicht und fass sie nicht an.
- Achte aus sicherer Entfernung auf ein Zickzackband auf dem Rücken.
- Bist Du unsicher, ob es eine Kreuzotter ist, halte Kinder fern und lass die Schlange ihren Weg gehen.
Töten solltest Du eine Schlange natürlich nie. Fast alle heimischen Arten stehen auf der Roten Liste. Laut Bundesamt für Naturschutz sind 9 von 13 bewerteten Reptilienarten in Deutschland gefährdet.
Wie hilfst Du Schlangen im Garten?
Schlangen brauchen Verstecke, Sonnen- und Schattenplätze, Brutplätze, genug Nahrung und frostsichere Winterquartiere. Je abwechslungsreicher Dein Garten ist, desto eher finden sie all das. Wie so ein Garten aussehen kann, beschreibe ich in meinem Beitrag über einen wilden Garten als Lebensraum für viele Tiere.
Falls Du gerade erst anfängst, Deinen Garten naturnah zu gestalten, lies gern auch meinen Beitrag Naturgarten, was ist das eigentlich?
Fazit
Giftige Schlangen in Deutschland gibt es, aber nur zwei: die Kreuzotter und die Aspisviper. Die Aspisviper lebt nur in einem kleinen Gebiet im Südschwarzwald. Der Kreuzotter begegnest Du am ehesten in Mooren, Heiden und lichten Wäldern, vor allem im Norden und in einigen Mittelgebirgen. Die übrigen fünf Arten sind ungiftige Nattern.
Bisse sind selten und verlaufen meist glimpflich. Trotzdem gehört jeder Biss einer Giftschlange in ärztliche Hände, ganz besonders bei kleinen Kindern, älteren Menschen und Allergikern. Und wenn Dir im Garten eine Schlange begegnet, freu Dich über den seltenen Gast und lass ihn in Ruhe.
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